HIRNWANNE

Jede Arbeit beginnt mit einer Figur. Ihr Ausgangspunkt kann eine Beobachtung sein, eine Situation, ein Gegenstand oder eine Erinnerung. Im Arbeitsprozess entstehen Zeichnung und Text parallel. Keines illustriert das andere, keines erklärt das andere.

Die Figur entwickelt sich zwischen beiden. Sie ist weder Dokument noch Erfindung, sondern das Ergebnis eines genau geführten künstlerischen Verfahrens. Die einzelnen Arbeiten stehen für sich und gehören zugleich zu einer fortlaufenden Werkreihe.

Seit 2018 wächst HIRNWANNE als zusammenhängendes Projekt aus Zeichnung und Text. Jede neue Figur verändert den Zusammenhang des Ganzen und erweitert die Echokammer.

Echokammer

Der Name HIRNWANNE entstand nicht am Schreibtisch. Er bezeichnet einen künstlerischen Arbeitszusammenhang, in dem Beobachtungen, Erinnerungen, Material und Sprache in Beziehung treten. Die Idee wurde erstmals in meiner Rede zur Verabschiedung. als Chefarzt im Jahr 2020 öffentlich formuliert.

Die Ansprache markiert einen biografischen Übergang. Rückblickend lässt sich in ihr bereits die Arbeitsweise erkennen, aus der HIRNWANNE hervorgegangen ist.

…was danach geschah

Aus den Erfahrungen der vorhergehenden Jahrzehnte entwickelte sich allmählich eine eigenständige künstlerische Arbeitsweise. HIRNWANNE entstand nicht als Idee, sondern aus einem über Jahre gewachsenen Verfahren. Zeichnung, Text und Komposition folgen dabei einer gemeinsamen Struktur.

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Berlin-Dahlem

1974. Berlin. Anatomisches Institut in Dahlem. Wir gehen in den Keller. In einem langen Gang ist eine Nische mit einer Betonwanne von etwa 1 × 1 × 2 Metern. Die Wanne steht auf einem kleinen Podest, bis an den Rand mit Flüssigkeit gefüllt. An der Oberfläche zeichnen sich Hügel ab, wie Walnusstorte. Neonlicht. Es sind menschliche Gehirne. Wenn man eines dieser Hügelchen leicht drückt, titscht es zurück. Es müssen Tausend sein, denke ich.

Sie haben gesehen, gehört, geschmeckt, gedacht. Sie hatten Familien, Berufe, Erinnerungen und sind U-Bahn zur Arbeit gefahren. Wochenlang sehe ich später in den Köpfen der Fahrgäste ihre Gehirne schwabbeln – jedes für sich allein und doch unablässig mit der Welt beschäftigt.

Die Hirnwanne in Dahlem war kein Anfang. Sie war der Augenblick, in dem sich vieles bündelte, was vorher schon da gewesen war.

… vier Wochen zuvor …

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