m43. Er kam aus Sovetskoje und hatte Sport studiert in Saratov, nördlich von Wolgograd. Judo sein Ding, schon immer. 2003 war er von Berg und Wiese mit seiner Wolgafamilie überraschend nach Deutschland ausgesiedelt. Der Uni-Abschluß wurde ihm nicht anerkannt. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er als Rettungssanitäter bei der Berufsfeuerwehr in Recklinghausen und hat die letzten Jahre mit den Jugendjungs Judo geübt, nur privat, offiziell waren sie in Clubs und DJB. Nach Leipzig ist er ihnen hinterhergefahren zu den Deutschen Meisterschaften. Mitreisen im Kader ging ja nicht. Er steht vor dem Hagebaumarkt an der Kaffeebude am Eingang bei den Einkaufswagen. Die runde, weiße Stehtischplatte ist ein wenig fettig. Er hebt den Unterarm gleich wieder an, als er den Widerschein der beiden Leuchtstoffröhren auf dem sonst matt-griseligen Kunststoff in zugeschmalzten Senken verdächtig flächig schimmern sieht. Jemand hat den Tisch mit einem flimsigen Serviettentissue, das nichts aufnimmt, abgerieben und so die Mayoreste dünn getrieben. Das Läppchen baumelt mit einer lang ausgezogenen Faser am Grate eines aufgekratzten Spans im verchromten Ereignishorizont des eingebauten Mülleimers seitlich über dem Loch in der Mitte.

Mayonaise
kahl kalt und kühl so
tot im eis
wie hunde
leise kratzen in den grund
die eine hälfte umgekommen
die andere vergessen
so einsam will nicht mal
doch kann und wird
der alte hund wohl sterben
straff aufgeschlagen indigo
prall der hämatome und tumoren
auf allen seiten durchgewalkt und
gleichermaßen temperiert
ich suchte weit nach seinem wesen
und alles hieß ich sie durchsuchen
auch schiefer bahnen spaltung theorien auf
eintausendeine weise rühren
ich drängte weiter hieß sie suchen
in meinem weiten weiten reich
das ganze sein hieß ich geflissen fließen
tropfend nicht einfach nur dem schein hinein
auch uralter welten saaten hieß ich fieseln
all sie sie zahlten in die liste ein
nur um des alters und der zeiten witze
der echos der erinnerung
vergessen schon von vor geburt
und wenn wir hier
dumm nur herum uns tanzen
und für uns allein so schön hier leben
und für erinnerung und uns
von denen die wir lieben weg bewegen
macht uns das seit von vor geburt schon tot
Genau.
Der Onkel Theo hatte Stroppy,
der konnte Brötchen bringen.
Theos Hund holt Brötchen,
und Theo hatte das Rezept:
von allein macht liebe niemals mayonnaise
denn das zerfetzen der motive
damit das was sich fürchtet bindet
braucht einstellung der messer
und fräsend harte rotation
dauer und moral der technik
sind gegenläufig wie das leben
klaglos kann so was nie
irgendwie zu etwas werden
du hast den zauberstab
so nutz des tempels hochgefäße
fünf minuten wasserphase
mit einem ganzen ei
mit dem senf und den gewürzen
lass sich die mizellen bilden
vertraue nicht dem ellenbogen eines manns
der süssen schaum dir schlagen will
ein viertelliter öl sehr langsam
am anfang salbend eingetropft
dann fadendünn
etwa so lange wie die wandlung
und besser länger mit mehr öl
bis knapp die soß dir doch nicht bricht
In der sauce tanzt des lebens wesen
dich an den rand und spricht
Der Ort des Geschehens als what3words Adresse:
