#41 Birgit Landau

w62. Sie ist damals nicht gestorben. Sie fährt kein Fahrrad mehr. Sie hat einen Sack Katzenstreu im Tierbedarfsgeschäft gekauft. Vor dem Unfall war die Einzelhandelsverkäuferin dort geringfügig beschäftigt. Nach einem Jahr Arbeitsunfähigkeit war ihr gekündigt worden. Das konnte sie verstehen und hat auch keinen Stress gemacht. Von den alten Kolleginnen ist keine mehr da, die sind dort trotzdem nett. Deshalb geht sie da auch weiter hin und kauft das Zeug für ihre Katze. Inzwischen hat sie Unfallrente, wartet auf die BfA und sitzt mit ihrer Katze vor dem Fernseher. Sie hat Kabel vom Vermieter, aber kein Streaming-Abo. Sie raucht zwei Packungen Lord Extra am Tag. Die Haare sind deshalb an der Stirn etwas gelblich. Das ist bei dem brünetten Kupferton aber kaum zu sehen. Ihr Bob ist aus der Form geraten. Das letzte Mal hatte sie sich eine Strähne rechts vor dem Ohr machen lassen, so rot-violett schattiert wie die Reklame von der Telekom. Das war nicht beabsichtigt. Ihre beste Freundin arbeitet Teilzeit in einer urologischen Praxis ein paar Häuser weiter. Die macht sich seither immer wieder lustig:  „Da kommt die Elfe“ sagt sie dann. Sie findet das weder witzig noch schlimm. Das ist ihre Freundin. Sie hat sich auf einen der betonierten Stützenschützer gesetzt. Der Katzenstreusack hat ein Loch und sie hat die Krümelspur hinter sich gerade erst bemerkt. Sie tritt mit dem Absatz auf das kleine Häufchen, das durch ihren Stillstand ward. Es ist kein Nitroglyzerin. Es knirscht. Sie dreht die Ferse leicht. Das klingt wie Pfeffermühle. Sie hebt den Sack an der verletzten Falte und beendet so das Rieseln des Granulats.

De vuelta del hotel para perros

Die Hunde stinken nach Hotel und Salmiak,
nach Lack, Benzol, Xylol aus alten Proben, 
Schwefel, Phosphor, Hausschwamm und Verschlag,

nach Staub, verwelktem Blut und altem Koben;
wie Angst und Jammer, die sich balgen.
Die Viecher jaulen, jappen laut und toben.

Hier aber wohnt Geruch in Wänden und in Balken,
von Mauern, welche Welt zusammenhalten,
von alten Quasten, die das Haus weißkalken,

der Duft der Möbel und der Teppichfalten,
wo auf Tüchern ihre Schüsseln warten,
in denen Pute, Rind und Hase nun erkalten.

Die Sonne scheint. Der Kies ist warm im Garten.

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