#62 Bernhard Schröder

m39. Er ist der Mann, der nichts anderes zu tun hatte, weil sich die Zeiten ändern. Seine Eltern kritisieren nicht, was er sein könnte, weil schon die Eltern wandelnde Zeiten verstanden. Sie kennen den Bruch, Vernichtung, Keller, Tod, Verwesen, waren das Ducken gewohnt und das Aufbombenwarten. Der Lebensmitteleinzelhandelskaufmann leitet eine Lebensmitteldiscounterfiliale. Er steht auf dem Lieferhof in seinem türkis-gelben Corporate-Fashion-Jacket den Rücken an die überwiegend rostbraune Stahlkante der Laderampe gelehnt, zieht an seiner elektrischen Zigarette und haucht eine erstaunlich dichte Wolke in die Luft. 

Mitte des Lebens

Kein Personal, null Ordnung in dem Laden.
Meine Frau will einen Hund,
doch keine zusätzliche Arbeit; 
Leon ist in der Schule faul, 
Marie will nicht mehr turnen.
Wir haben schon so manches investiert.
Hildegard sitzt an der Kasse.

Mit einem Kind fing alles an,
wir fühlten uns in Narnia.
Das Haus verwildert.
Wir vermissen es nicht mehr.
Wir brauchen keine Übernachtung,
keine Partys, und wir sitzen auch nicht 
tagelang im Haus mit allen.

Was haben wir uns angetan? 
Ich bin im Zahlungsrückstand.
Und fallweis‘ wussten wir auch nicht, 
warum wir taten oder saßen oder lagen.
Arbeit, Familie und Wirtschaft:
Immer war etwas der Fall.
Wir taten, was wir tun, als wir es taten.

Wir zogen in die neue Stadt 
und hatten ganze Reihen guter Gründe. 
Nur weiß ich gerade keinen mehr.
Wir haben fremde Orte angeschaut,
uns umgesehen, ob und was wir wie sein könnten.
Nun sind wir hier und machen das.
Ich mache einfach weiter.

Der Ort des Geschehens als what3words Adresse:

scheinbar.stolze.etwaiger