Die hier versammelten Texte folgen keiner gemeinsamen Form. Manche sind Gedichte, andere bewegen sich an den Rändern von Dialog, Erzählung oder Prosa. Gemeinsam ist ihnen weniger ein Genre als eine Art zu arbeiten.
Sprache dient hier nicht dazu, eine persönliche Weltsicht abzubilden. Sie erzeugt Stimmen, Rollen und Perspektiven. Ein Gedicht spricht nicht notwendigerweise für seinen Autor. Es kann beobachten, widersprechen, übertreiben, eine Figur erfinden oder eine Haltung erproben, ohne sie sich zu eigen zu machen.
Wer diese Texte liest, begegnet deshalb zunächst einer sprechenden Stimme. Ob und in welchem Maß sie etwas mit ihrem Autor zu tun hat, bleibt offen. Gerade in dieser Offenheit liegt eine der Möglichkeiten der Literatur.
Michael Hampe beschreibt diesen Gedanken im Gespräch zwischen Aaron und Kagami sehr genau:
AARON: Aber von diesen Wörtern und von den Gedichten kommt man auch nicht auf einen Wesenskern der dichtenden Person.
Hampe, Michael. Die Wildnis, die Seele, das Nichts.
KAGAMI: Nun, irgendetwas mit der Person haben die Wörter, die sie benutzt, und die Gedichte, die sie schreibt, wenn sie denn welche schreibt, doch schon zu tun, oder? Man sagt doch, sie seien ihr Ausdruck.
AARON: Ja, schon, aber die Wörter fallen einem ja auch zu, man findet sie wie Steine am Wegrand bei einer Wanderung, hebt sie auf, und dann arrangiert man sie zu einem Muster. Dichter sind auch empfindliche Empfangsgeräte für verbreitete Stimmungen, empfindlichere Empfangsgeräte als andere Menschen. Hat das nicht Coetzee mal geschrieben?
Carl Hanser Verlag
