#50 Otto Habicht

91m. Auf dem Melaten-Friedhof hat er seinen letzten Freund vom Großen Krieg begraben und dann die Kinder fortgeschickt. Wem hätte er was singen sollen auf der Raue. Er will im Dom den Richter sehen. Nun, er geht im vollen Häs, schwarzer Anzug – das Wollsiegel noch eingenäht – mit Weste, Schlips und breitem Borsalino – und mit dem stahlgerahmten Schirm, der seine Schwächen nicht mehr tarnt, allein, gemessen wie ein ruhiger Herzschlag die Schildergasse hin zum Dom. Walk! Walk! Es ist sehr heiß. Anzug und Hut, sie glänzen matt, gebraucht, begriffen und berieben, teilweise stockfleckig. Rechts im Schatten steht ein Stand. Tapetensilbertisch in weiß und blau. Sechseckensterne, Plakate drumherum. Go Israel. Ein etwa 30 Jahre alter Mann mit Kippa auf dem kurzen Haar, schwarz-weichem Oberkörper-Harnisch unter weitem, strahlend-weißem Hemd bückt sich nach Sachen in Kartons, checkt wieder die Umgebung, schaut auf, und sieht ihn hart an, harrt. Der stehende Mann entfriert dann doch, er lächelt auch und zwinkert. Der gehende Mann gibt den Schirm von der rechten in die linke Hand, der Griff zeigt nun zu Boden – er winkt zurück, antwortend, lächelnd. Und aus einer Frittenbude kommt intradiegetisch von Mendelssohn-Bartholdy irgendwas – die Italienische? 

Der Drog wird heute zehn.
Ihr Pfeifen, Sir!
Wo bleiben die Geschenke?

Du liegst im Korb wie kleine Welpe.

Die Schnauze in der Luft lotrecht.
Die weißen Haare werden weißer.
Die Kämpfe kommen näher
Den Wappen deines Wesens.

Der Held ruht.
Und Karawanen bellen weiter.

Der Ort des Geschehens

kanzlei.insel.einfarbig