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#36 Daniela Beitel
51w. Sie arbeitet als Fallcontrollerin in einer Verrechnungsstelle für Ärzte. Vor einigen Monaten hat sie sich von ihrer Frau getrennt – oder umgekehrt. Schon seit Jahren ist es schwierig, denn sie ist krank: schlechter laufend, langsamer denkend, unangemessener lachend. Sie hatte eine Tasche voller Andenkensachen und Briefe zusammen gesucht. Die will sie nun – es…
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#31 Edda Beck-Werner
50w. Die Fleischereifachverkäuferin aus Bottrop sah immer sehr jung aus. Schon als sie die Ausbildung beendete. Jetzt sieht sie nicht mehr aus wie vierzehn, aber für fünfundzwanzig geht sie durch. Dabei ist sie seither im Beruf, 35 Jahre im selben Betrieb. Dreißig Stunden in der Woche. Wechselschicht. Sie sitzt nur einfach da und schaut grad…
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#28 Sara Sampson
xxm. Es war nie klar, wie alt er war, damals als zum Mann er wurde. Und kein freilaufender Mensch würd‘ es wach wagen und ihn einfach mal so fragen, wie wer dann den toten Namen nannte, den man schon damals knapp nie kannte. Wer den alten Namen krachte, war schon weiland sehr schnell tot oder…
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#15 Raimunde Garb
w57. Nach der Schule hatte sie (14) eine Friseurlehre begonnen. Wegen Kontaktallergie war alles aus. Eigentlich wollte sie Kosmetik und Maske lernen, dieser Augen strahlendes Paar und so. Das aber hintertrieb der Vater. Gleich mit achtzehn (18) hatte sie dann geheiratet, mit zweiundzwanzig (22) ihren Sohn geboren. Ihr Vater hatte jung (49) zwei Schlaganfälle und…
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#23 Lino Breton-Kilmer
m45. Draußen ist zu kalt für Hemd in Spätherbst. Der Meister der Kulturpoetik der Literatur und der Medien ist leicht angetrunken. Das Armbewegen ist angedeutet hyperbolisch, doch grad noch kontrolliert. Nichts hat er verschüttet. Er setzt sich nun um einen Hauch verkalkuliert auf den Edelstahlrohrswinger. Das Holz gebürstet, nicht geölt, deshalb leicht grau und slightly…
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#14 Wieland Hasenkamp
m63. Mit siebzehn hatte der auszubildende Metallbauer Träume und einen privaten und schweren Mopedunfall. Das war das alte schwer ohne Rettungshubschrauber. Arme brechen Schulterketten, Schädel splittern mit rechts-temporaler Impressionsfraktur, vier Wochen Koma, und nicht künstlich. Nach Krankenhaus die Reha, old school, also nicht viel mehr als Körperverwahrung. Danach bekrabbelte er sich in der Schmiede-Adjustage im…
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#55 Raffaela Fiedler
42w. Die Verwaltungsfachwirtin mit Schwerpunkt Kommunalrecht sitzt am Wassergraben der Linner Burg im Gras, am Weg. Sie blickt auf Bergfried, Fenster, Kegeldächer. Sie kam mit ihrem Lastenfahrrad nach der Arbeit aus St. Tönis, hatte ihre Rauhaardackelhündin Ben beim Nachbarn abgeholt. Sie will mit ihrer Tochter Kaffee trinken. Neben ihr liegt offen eine Mappe mit Unterlagen…
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#51 Marleen Schmitz
75w. Sie hat nicht was gelernt und war auch niemals schlau mit Geo-Dreieck, Schiller und Cesar in Oberhausen. Hilfsarbeit in Guter Hoffnung, und dann die Braten in der Hütte. Sie hat drei Söhne und zwei Enkel. Sie steht am Strand „auf“ Fehmarn. Sie hat gelernt, weil Fehmarn eine Insel ist, sagt man „auf“. Sie hätte…
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#38 Muhammad Marx
m59. Vom Brüderkrankenhaus zur Porta Nigra zu den Kaiserthermen, zu Buhlenplatz beim Bischof: Alle, alle alten Alten tot und in den Oublietten. Sie starben, wie sie standen. Da wurden Festen nicht erobert, sie sanken. Die sind so tot wie irgend möglich, weil sie so tot sind, wie es lief. Durch schmalen Türspalt sieht der Einzelhandelskaufmann…
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#75 Christian Kurtz
Nach dem Schulabschluss ging er 1963 nach Kuba. Seine katholische Mutter war überrascht, als sie schwanger wurde. Doch sie sagte, dass es damals viele taten. In Kuba fühlte er Freundschaft und Bewegung. Später leitete er einen Laden in Leipzig. Seine Mutter starb, und er fand ihr Grab nicht. Er kocht gern für seine Kinder und…
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#4 Augustin Flater
m46. Der als Erzieher – mit Spezialisierung „Sonderpädagogik“ – in einem Kinderheim in freier Trägerschaft Tätige macht Urlaub mit seinem Pony Mucki. Sie wohnen in einer Pension beim Reinhardswald in Nordhessen. Die Größenverhältnisse zwischen Pferd und Mann stimmen: Das Pony ist etwas größer und der Mann etwas kleiner als der Durchschnitt. Er hat das Pony…
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#5 Sophia Böhm
w55. Am Freitagabend im Frühsommer, wenn die Linden auf die Autodächer klebrig sputzen tritt die Flötistin und freie Musiklehrerin auf den Balkon der Beletage. Der ist nicht tief, man könnte kaum drauf sitzen. In einer gewissen Diskrepanz zu den vier Meter hohen Räumen aus der Gründerzeit und den vierhundert Quadratmetern Wohnfläche mit Dienstboteneingang und Klingelanlage…
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#44 Malte Mohr-Mayer
m41. Als Kind wünschte Malte sich manchmal, sein Vater wäre Bauarbeiter oder Betonbauer. Er war eher gegen Geld eingestellt, weil seine Eltern Geld hatten. Sie waren anders. Seine Eltern hatten niemals für ihn Zeit. Malte erkannte früh, dass Bildung mit Einkommen zu tun hat. Malte machte deshalb kein Abitur. Er wohnt in der Einliegerwohnung im…
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#68 Konrad Königsmann
m69. Er hatte auf Bonifacius Grubenelektriker gelernt, war Ende der sechziger Jahre auf Holland gelandet. Mit den abgeworfenen Maschinen wurde er dort überflüssig.
