Schlagwort: Hirnwanne
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# 136 Zlatko Grigorov (Kagekiyo)
Slatgo Grigov steht in einer funktionalen Umgebung, in der sich Ordnung und Störung überlagern. Ausgehend vom Nō-Stück Kagakio verdichtet sich die Szene zu einer Abfolge präziser Beobachtungen: Körper im Raum, Objekte in klarer Zuordnung, minimale Verschiebungen. Präsenz entsteht nicht aus Handlung, sondern aus Haltung, Blick, Material. Die Figur bleibt äußerlich, doch die Struktur trägt eine…
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# 87 Ronald Holland (Hashi Benkei)
Ein Mann steht auf der Brücke. Metall, Holz, Frost. Werkzeuge liegen offen. Der Griff des Beitels tastet sich in das Holz. Bewegung ohne Eile. Die Konstruktion hält. Etwas geht verloren, etwas bleibt. Am Ende das Gewicht in der Hand und eine Spur im Raum.
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# 104 Julius Hentschel (Haku Rakuten)
Am kühlgrauen Rheinufer in Duisburg-Ruhrort steht Julius Hentschel, frühverrenteter Industriereiniger. Auf dem Kies liegt ein schweres Bündel verölter Gewänder. Als seine Hand es fasst, zerfällt der Stoff zu Schatten und Staub. Der Rhein zieht still, die Kräne schweigen. „Was rufen die Farben? Was sagt das Gewand?“
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# 94 Frauke Trump (Hagoromo)
Spätsommer, 20:15 am Uhrenturm der alten Ziegelei. Tonstaub, Maschinenrauch, Schichtgeruch. Am roten Haken zittert ein fremdes Gewand, fängt Restlicht, singt seidend in die Nacht. Fraukes Hand will greifen; der Chor widerspricht: Misstrauen gehört den Menschen. Sie lässt los. Im Nebel schmilzt das Bild der Himmel bleibt in Bewegung.
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# 145 Lio Okotie Eboh (Kayoi Komachi)
Ein angesehener Physiotherapeut aus Moers lebt nach einem Schlaganfall aphasisch und pflegebedürftig in einer Parterrewohnung. Spätsommerlicht, Küchenfenster, Schlüssel im Schloss, Blisterpackung, Barcode. Um fünfzehn Uhr das Klingeln. Dann Stille, Flur, Glas, Akte, Schatten. Kayoi-Komachi als heutiger Befund: Liebe entfernt, Sprache vertagt, Morgen ohne Schmerz.
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# 131 Thalia Werner (Genjo)
Düsseldorf. Farbe, Licht, digitale Tiefe: Thalia Werner kalibriert eine handtellergroße Maschine, gebaut mit einem Farbchemiker. Sie wandelt Wellenteilchen in essbare Moleküle, überträgt sichtbaren Duft. Fenster erlischt, ein Hauch webt Dunst. Fäden ziehen auf, schiffchenblind. Tränenwellen netzen den Ärmel. Maskenform am Rand, Hundegeruch im Labor, Blauadern am Tisch, Stille ohne Handlung.
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#105 Hella Gerhard
(Tomoe) Es wird Frühling um 14:30 am Aachener Weiher in Köln. Die fünfunddreißigjährige Fotografin steht auf der Kante der Platten der Einfassung. vorne.jugend.mädchen parkbank pullover knirps gefaltete jacke oberbauch quer gras schneidet lehmlinse gans faucht wegen pissig leckerer kleinen im teich dümpelt die grütze keiner kann darüber laufen nicht sommers nicht winters die kirsche matscht…
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Im Gespräch: Projektion und Ordnung
Vorbemerkung Manchmal trifft ein Text auf eine Form, die seine nicht ist – und bleibt darin. Nicht aus Respekt. Aus Spannung. Unser Gespräch will berühren und klären. Es geht um das japanische Nō-Theater: Thema, Struktur, Distanz. Was geschieht, wenn ein westeuropäischer Kopf eigene Texte in eine Form bringt, die ihm nie gehörte? Ein Gespräch über…
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Im Gespräch: Echo und Plagiat
In einem tiefen Rosengarten treffen sich zwei Männer an einem wackeligen Tisch mit kaltem Kaffee. Bei ihrem Gespräch geht es um Echos, Zitate, kulturelle Einflüsse und die Entwicklung von Kunst. Sie diskutieren auch die Grenzen zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem in Text und Kunst. Dabei wird deutlich: Die Geschichte ist zu lang, und es gibt einiges…
