Der siebenundvierzig Jahre alte angesehene Physiotherapeut mit eigener Praxis in Moers, lebt seit dem Schlaganfall vor Jahren aphasisch, beziehungslos und pflegebedürftig in der Parterrewohnung. Spätsommer.
küchenfenster grübelt nachbarhaus fensterbank und sabberfleck zusammendenken garten straucheln werk leuchten läden halb geschlossen klingeln jeden Tag um fünfzehn Uhr danach schlüssel im türschloss spalt in der box die packung blistert den barcode und urzeit krepploafert schritte aufs linoleum laterne jetzt aus
licht aus licht an licht aus die schranktür offen
datei im umschlag laminiert
kein geräusch
stuhl leer es rutscht kein ton
fotodruck auf mattpapier
wendung schulter nacken zopf der purpurschleife süße
fenster ansehnlich zu griff im rechten Winkel
pilzkopfverriegelt pflegekraft pünktlich
und fenster zu
schwarzer rucksack keiner worte zugluft
vogels freiheit trippt lind ins grüne treppenhaus
stille schatten auf der wände farbton asphalt trocken
schublade geschlossen zettel falten die schrift so los
fenstergriff waagrecht und wasserglas klar
tablette in schimmernder rüstung
geräusch kein geräusch atmung kein beweis
und fenster auf
Chor: Wer die Nacht alleine ist,
dem bringt der Morgen keinen Schmerz.

Der Stuhl: ein Tisch, nicht Wort, nicht Blick, nicht Spalt.
Der Sturz: war lautlos und tief unbefragt.
Das Glas: gefüllt mit Eis und riecht nach Wald.
Die Akte: leer, ihr Bild entfernt, vertagt.
Das Klingeln: heute keine Zinke fragt.
Der Flur: im Gang gewischt und Ton versagt.
Was blieb von ihr? Sie wurde zum Befund.
Kein Name hier, nicht Etikett, nicht Mund.
Die Luft verbläst dem Schweigen ihren Grund.
