Der zweiundfünfzig Jahre alte Werkzeugmachermeister ist Spezialist für Pigmentwalzen in der Herstellung von Künstlerfarben mit donnerhallendem Ruf in der internationalen Szene. Er steht in seinem jäh und roh dem Kalt entblößten Loft. Großer Elephantenstosszahn und Dozuki-Säge auf zwanzig Zentimeter dicker Marmorplatte von 1 mal 2 Meter. Dieser Tonne Leben wird gleich glühen. ergänzen.sorge.handwerk
Junge Frau im anthraziten Thighgaphosenanzug sitzt. Sie schnattert in ein Headset, leise, abgehackt und unverständlich. Diese Frau wär seine Tochter! Wird gesagt! „Das ist mein Tisch.“ sagt er „Der Tisch ist groß genug.“ sagt sie. „Das ist kein Ort für deine Sachen.“ sagt er „Ich bin schnell fertig,“ das sagt sie.
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Chor: Das, was du im Mund hast, das ist deins.
Sehr früh
am Morgen hat sein Loft sich schon gewandelt,
und Dinge werden steif in ihrem Raum,
wird Platz, den er besitzt, ihm neu verhandelt.
Am Hemd rollt kaffesuchend er den Saum
der fällt zurück, die Finger beben nun,
sein Blick teuft tiefer als durch Stahl und Traum.
Der Kasten /dort/ trägt Pläne, die nichts tun,
doch taten, früher schärfer noch als heut,
und jeder weiß jetzt wo sie ruhn.
Das Lob von damals ist doch schmal verstreut.
Er war der Meister, und die Zeit verging.
Sie haben nicht mehr Zeit für leere Dankbarkeit.
In Aschen liegt sein Werk, das leere schwarz.
Das volle schwarz daneben. Und das wars.
„What you have in your mouth is yours.“
ist ein ein geschenkter Satz.
Und ein Satz aus Wiliam Kentridge „Death Register“
Aus einer Ausstellung im Folkwang-Museum Essen.
Nun kann man auf einen solchen Satz auch ohne William Kentridge verfallen. Und er wäre immer noch wahr. Aber wenn ich ihn jetzt hier verwende, meine ich auch den Hintergrund von William Kentridge. Und das ist etwas, das ich dadurch, dass ich diesen Satz von mir aus einfach so sagen würde, nicht erzeugen könnte.
Ich habe den Satz hier so verwendet:
„Das, was du im Mund hast, das ist deins.“
Das ist nicht dasselbe und keine Übersetzung.
Es ist etwas anderes.
Und der Kontext rumort.
Die Welt ist voll von Fliehenden, die nur das haben, was sie auf dem Leib tragen.
Ich aber laufe aktuell nicht weg. Ich habe ein Haus mit Büchern und mit Seiten und Papier zum Malen. Und ich habe noch anderes: Etwa einen Supermarkt. Oder einen Baumarkt. Oder einen Juwelier. Oder eine aktuelle Bankverbindung.
