Der einundsechzigjährige Botaniker hatte Fernmeldemonteur gelernt. Nach dem Abitur im Zweiten Bildungsweg studierte er Biologie. Er steht im Wurzellabor des Experimentell-Botanischen Gartens in Göttingen am Tisch. Vor ihm ein flaches Becken mit Regenbogen-Iriden, darin ein freigelegtes Rhizom. Es riecht nach warmem Plastik, Eisenoxiden und lange stehender Feuchtigkeit.
Eine einzige Klemme auf dem Kanal macht ein winziges Offen. Ton im Verstärker knattert durch die morsche Leitung. Er notiert nicht. Wurzeln erinnern Berührungen von Trockenphasen, Schattenwürfen, Weltenwirbeln, Toten und anderen völlig verrückten Bewegungen.
Chor: Denkt nicht. Das ist eine alte Geschichte.

im wurzelgrund liegt licht
reflex in zellenzeit
im wandel ruht die form
signal durch stille Haut
kondensat steigt
allein im sumpf
kontakt ist flüchtig hier
in modriger spannung
ist transparenz kein ziel
so sich die leere mitte faltet
rinnt ungefragte faserzeit
benetzt von licht
am rand von schatten
tritt auf tritt ab
auf knien horcht er dem
signal durch stille haut
im wandel ruht die form
reflex in zellenzeit
am wurzelgrund liegt licht
Schwertlilien von Korin Ogata sind das Echo.
Erwin Neher und Bert Sakmann bekamen 1991 den Nobelpreis für Medizin. Sie untersuchten sehr kleine „Türchen“ in der Zellhülle. Diese Tore heißen Ionenkanäle. Durch sie fließen geladene Teilchen. So entstehen elektrische Signale in Nerven und Muskeln und sonstwo. Ab etwa 1976 entwickelten sie in Göttingen am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie eine neue Messmethode: die Patch-Clamp-Technik. Damit konnte man zum ersten Mal den Strom durch einen einzelnen Ionenkanal messen. Ihre Messungen bestätigten ein älteres Modell von Hodgkin und Huxley aus dem Jahr 1952. Die Methode war ein Durchbruch und wird bis heute in vielen Laboren auf der Welt benutzt, auch in der Forschung an Pflanzen.
Beitragsbild: generiert mit ChatGPT (OpenAI, GPT-4o Bildgenerierung).
