# 99 Richard Brunn (Ikuta)

Der dreiundsechzig Jahre alte Malergeselle und ehemalige Feuerleitfeldwebel sitzt in der fast leeren Wohnung auf umgedrehter Wasserkiste an der Wand. Fenster auf Kipp, Jalousie bebt sacht. Licht gleitet in schrägen Streifen auf verfallendes Parkett. Feiner Staub in Rippeln. Versickerte Nachbilder längst abgehängter Fotos. Holztisch ohne Stuhl, auf dem niemand mehr sitzt. Ein staubiger Eimer mit rissiger Farbe. Brunn kratzt mit eingetrocknetem Pinsel über die Wand. Seine Bewegung ist so ruhig wie sicher, haltender Teil des Lebens. Schatten in der Tür. Jemand bleibt stehen. Sein Sohn. Er hat ihn gesucht und gefunden. Aber nicht so. Nicht hier.


Chor: Er wendet sich, und jemand steht.

Der Karl hier ist

„Karl?“
„Nein, Papa. Ich bin’s.“
Ein Blinzeln.

Richard dreht sich und
sieht den Sohn an.

Die Jalousie bebt nicht mehr.

„Ah, Karl, was machst du hier?“
„Ich wollte sehen, wo du bist.“

Stille dehnt in
Echos fehlender Jahre.

„Hast du Karl gesehen?“

Der Sohn atmet ein und aus.
Hebt die Blechdose auf.
„Ich nehme das hier mit.“
Brunn hält den Pinsel.
Der Sohn bleibt stehen.
Er streicht mit zwei Fingern leise

den Rand des Tisches
geht fort.

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