102 Anny Hartmann (Cho Ryo)

Vierundvierzig. Von Tuzla nach Graz mit nichts gelernt. Schon wieder schwanger, mit Jonas. In 2050: fünfundzwanzig. Vor der still liegenden Rolltreppe die Bank. Mensch darauf. Reglos. Geschlecht nicht lesbar. Der Kopf hebt sich – weißer Bart, wohl Mann. Die Jacke, hell, drecksteif, sie liegt am Boden neben seinem Fuß. Er blickt zu ihr. Dann auf die Jacke.

eins

Einkauf. Halle. Beton erzwingt Lasten für Ebenen.
Rolltreppenzähne verkeilen verbissen im stählernen Raster.
Jacke erschlafft, sackartig, hundhaft am Boden.
Marswickel zuckt unbeherrscht in Luftzügen, rasterentkernt.
Lichtsplitterung. Spiegelfläche zerreißt an Bruchlinien.
Wegloser Raum. Richtung erlischt. Pfeile verlöschen im Ausgang.

Einmal zuckt noch die Treppe. Dann wieder Stillstand.

Chor: Was liegen bleibt, verlangt die Hand.

zwei

Tief summt Beton; kaum hörbar, dann lauter, ein Dröhnen.
Rolltreppe fasst, verkrampft einmal; es knirschen die Ketten,
schaben Metall, längst tot dreht die Mechanik noch einmal leer
Der Mann weist stumm auf die Jacke zu Füßen.
Offener Mund. Kein Ton. Glasstarre Augen schimmern.
Endgültig steht das Band. Verstummt und unbewegt die Maschine

Anny neigt sich.

Stellt die Jacke dem Mann auf die Bank.

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