Der neunundfünfzig Jahre alte Elektroniker für Geräte und Systeme steht in einem schmalen Flur im Standesamt. Linoleumfliesen wurden vielzeitig durch fremde Chargen neuer Fliesen ersetzt. Die ganz alten sind hochpoliert mit Senken und mit Klebstoffbeulen. Sie glänzen pludernd glatt im Streiflicht flauer Deckenleuchten. Die jüngeren sind stumpf und weißbeigemarmorgrau gestromt. Im schnell gekauften, neuen Anzug hängt losedünn der Mann mit Kugelschreiber. träumen.differenz.erhielt
Chor: Er trat aus dem Winkel des Schattens und der Abstand wurde kleiner

Linker Schuh am Boden,
abgewetzte Kreppsohle
schweigequietschend
roter Klebestreifen
die Grenze halb gelöst
wo Fliesen nichts mehr hält
klicken Lautsprecher knacken
„Ein Hundert drei und vierzig.“
Formularblock auf den Knien
schnelles Zahlenkritzeln
Geruch von altem Kaffee
warmem Kunststoff.
Husten repetitiv hackt heiser.
Neonröhre sirrt, dann Ploppen.
Papier schlägt auf, rutscht fort.
Tür schwingt und Schatten auf der Wand.
„Hundertdreiundvierzig. Hannes Simon.“
Die Luft riecht nach Chlorreinigung
mit feuchterem Karton und Koma.
Ring genommen.
Auf dem rechten Daumen.
Zweimal gedreht
Hand ohne Gruß.
Kind weint.
Formular liegt.
Der Ring wiegt schwer.
Die Geste gilt dem Blut
nicht ihrem Namen.
Nur die Sonne war Zeuge.
