Der achtundfünfzigjährige Prokurist des Energieversorgers ist spitzlichtbeleuchtet. Sinkende Sonne blutorangen-aperol. Dachterrasse. Verwaltungsgebäude. Verträge unterschrieben. Champagner. Betongeländer. Kühl & klar. Neben ihm: der Kunde.
Himbeerrotes Hemd leuchtet von innen. Sommersprossen. Kupferwangen. Kieferflaum. Die Drohne der PR-Abteilung fliegt eine steile Kurve, kehrt zurück, macht Schwebecam. Der Pilot on camera holt einen Scampispieß vom Buffet; er steht zehn Meter hinten und kaut im Schatten der Ventilationsquader.
Chor: Stoff geöffnet. Licht entblößt.

Der Kunde tritt ins Licht, streicht sich den Kragen schräg.
Der Gang der Schultern breit und weich.
Das Hemd liegt offen.
Feucht glänzt die Stirn,
die Lippen nude-sorbet gebalmt.
Er lässt sein Sakko leger los.
Es rutscht vom Stuhl,
zuckt kurz zurück
und sinkt in seine Falten.
Ein Lichtfleck wandert aus,
treift Whiteboards.
Im Wein hält die Bewegung.
Wind streicht, besummt die Gläser.
Markfett schmiert ochsenblutrot am Glas.
klebt Rand und flammt.
Aldehyd und Histamin, Oxytocin in Häuten.
Chor: Wenn die Mietlinge schlafen, bleibt nicht Rausch noch Rede
Blick auf dem Tisch.
Satz gesagt.
Dank und Handschlag.
Luft ruht.
Vertrag liegt.
Nach Süden fällt Licht.
Chor: Was bleibt, ist weder Rausch noch Rede.
