Die zweiundsechzig Jahre alte früberentete Verwaltungsangestellte und Ex-Betriebsrätin der alten Ziegelei steht spätsommers um 20:15 UMT am Uhrenturm in Gielsdorf (Altlandsberg). ergriffen.passendes.turnen
spätsommermond spinnt rotgold der himmel in erdgeruch von ton und ziegelstaub maschinenrauch und formmaschinen zugkraft beim rand zum uhrenturm an einem roten haken hängt ein ¬farbiges gewand mantel umhang schleier schleppe kasel chiton tunika toga talar das letzte licht des tages einzufangen in rasender schwingung sie schaut der blick sieht ¬bewegung/¬starre ∃x(V(b,x)∧◊B(x)∧◊¬B(x)) den schatz den will sie haben gier und greifen. greift. barfuß summend donnernde augen spiegeln himmel und erde die form steht nicht ruht nicht atmet nicht singt ozeane ungesehen die zehn richtungen der welt norden süden osten westen nordosten südosten südwesten nordwesten oben und unten sie tanzt des himmels endlos kantenlosen raum duftflimmernder hauch aller jetzte
Chor: Misstrauen gibt es nur in der Welt der Menschen.

der abend glimmt in gold die schatten dehnen sich
metall und salz verflechten teilchenwellenlicht ·
an gleisen steht ein kran und räumt die letzte schicht.
ein fremdes kleid leichter atem flickert sacht
vom haken fällt ein licht ist nun mal hier erwacht
und singt verdämmernd leise seidend in die nacht.
das ist meins sagt eine stimme weich und klar
nimm das nicht weg denn ohne dies bin ich nicht wahr
ich wär gefangen hier mein tanz mein sein wird mahr.
der willst du niemals sein. sie geht. der himmel singt.
schatten grausen stumm · die luft ein glanz durchdringt
sie langsam schmilzt ihr bild im nebel zart versinkt
∃x(V(b,x)∧◊B(x)∧◊¬B(x))
Diese Formel beschreibt prädikaten- und modallogisch eine Situation epistemischer Ungewissheit. Der Existenzquantor (∃x) statuiert, dass der Gegenstandsbereich ein Objekt (x) enthält. Die Person (b) steht zu diesem Objekt intentional in der Relation des Wahrnehmens (V). Das entscheidende Element ist der Modaloperator (◊), der die logische Möglichkeit ausdrückt: Es ist konsistent anzunehmen, dass x die Eigenschaft B (z. B. Gewand) besitzt, ebenso wie es konsistent ist, dass x diese Eigenschaft nicht besitzt (¬B(x)).
Die Formel bildet somit keine Faktenwahrheit ab, sondern formalisiert den Zustand der Indeterminiertheit. Sie trennt die ontische Gegebenheit (dass etwas ist) strikt von der prädikativen Bestimmung (was etwas ist). Damit wird der Moment des Suchens und der Interpretation mathematisch isoliert und Ambiguität beschrieben. Erst durch die bewusste Wahrnehmung des Betrachters wird die Ambiguität des Unbestimmten in eine temporäre Gewissheit überführt, ohne die tieferliegende Rätselhaftigkeit des Phänomens jemals ganz aufzulösen.
Die Formel beschreibt also nicht eine fertige Welt, sondern den Vorgang der Konstitution. Sie trennt die bloße Anwesenheit eines Phänomens von seiner kategorialen Bestimmung. In der Logik wird hier das „Dazwischen“ (und im Noh das „Ma“) greifbar – jener Moment, in dem ein Schatten sowohl Stoff als auch Objekt und Imagination sein kann, bis der Beobachter das Urteil fällt.
Suchen und Erkenntnis sind nicht dasselbe. Die Formel isoliert den Raum dazwischen.
Übrigens: Was der Stoiker Epiktet (50 – 138) lehrte und Laurence Sterne (1713 – 1768) seinem Tristram Shandy als Motto voranstellte – dass uns nicht die Dinge selbst beunruhigen, sondern unsere Urteile über sie –, wird in dieser Formel logisch exakt zum Ausdruck gebracht.
