Die neunundzwanzigjährige Erzieherin sitzt hinter dem Kinderheim auf dem rosa Granitfindling im Sandkastenbereich. Aus blindmodernd vergrundetem PVC-Hohlkammerdach tropft Wasser auf die Spielterrasse. Blaue Hebelordner geleert und offen auf dem mikrostukturgeprägten, grau crossgehatchten Formicatisch, dessen Alubeine klapprig, und die Fassungen geborsten sind. Sie trauert um den Prinzen. Das Handy blinkt kurz und verlischt. inseln.anrufe.angerufen
Chor: Sie trägt keine Ordnung, und ihr Herz ist aus Papier.

In der Tintenfischfalle
Weiß züngelt Licht im Homebildschirm,
zieht Bilder über Finger.
Im Sand ein Kinderschuh.
Wind schiebt still die leere Schaukel an.
Die Kette knirrscht und glänzt.
Zeit kriecht in Uterusmembranen.
Alles nass vom selben Regen.
Die Nacht bringt nichts als klammes Eisen.
Gewissenhaft verrieseln Kindheit und
sie selbst in schattenloses Licht.
Ein Name wird zweimal geschrieben
in gegenseitiger Verlöschung.
Keines Alters Zahl besteht.
Es gibt eine erworbene Herzerkrankung, die in der Literatur als Broken-Heart-Syndrome (Takotsubo-Kardiomyopathie) bekannt ist. Diese entsteht durch schwere seelische Erschütterungen und Traumatisierungen. Der Name stammt von der Ähnlichkeit der (angiographischen) Herzsilhouette bei dieser Erkrankung mit den schlichten Tongefäßen (Tako Tsubo), die (nicht nur) in Japan zum Fang von Tintenfischen verwendet wurden: Fischer knüpfen lange Leinen und versenken diese am Meeresboden. Die Tiere nutzen den Topf aus eigenem Antrieb als Schutzraum, bleiben meist dort und versuchen beim Einholen nicht zu entkommen, da keinerlei Haken oder Netze verwendet werden. Die Fangtechnik ist seit den 1950er Jahren obsolet.
