In between – dazwischen


„Auf dem Dach des Hühnerhirns:
56× Nissl, 56× Bodian

Am 7. Dezember 2025 eröffnet im Forum Kunst & Architektur am Kopstadtplatz in Essen die gemeinsame Ausstellung von WBK und RKB unter dem Titel „In between – dazwischen“.

Die gemeinsame Jahresendausstellung der beiden Künstlervereine widmet sich Arbeiten, die aus der eigenen Linie herausfallen: Seitensprünge, Ausrutscher, Brüche und Solitäre, die sich keiner Serie eindeutig zuordnen lassen. Gezeigt werden Werke, die Zwischenräume markieren – zwischen Lebensphasen, Orten und künstlerischen Strategien – und das sichtbar machen, was im Raster der gewohnten Werkreihen oft unsichtbar bleibt. So war die Ausschreibung.

Für diese Ausstellung zeige ich eine Arbeit von 1981: ein zweiteiliges Bild mit dem Titel „Auf dem Dach des Hühnerhirns: 56× Nissl, 56× Bodian“. Die beiden Blätter sind Collagen aus jeweils 7×8 also 56 Zigarettenpapierchen, bemalt mit Aquarell, Buntstift und Grafit. Ein Blatt ist vor allem in hellen Blau- und Lichttönen gehalten. Das andere Blatt hat violette, rötliche, purpurne, etwas dunklere Töne:

Die kleinen Papiere sind so angeordnet, wie histologische Serienschnitte (also hauchdünne Gewebeschnitte des Hühnerhirns) nach dem Färben zum Trocknen auf dem Tisch ausgelegt werden. 


Die „blauen“ Felder verweisen auf die Nissl-Färbung. Mit ihr sieht man vor allem Zellkörper und die Schichtung von Nervenzellen, zum Beispiel in der Hirnrinde. Axone und andere Nervenzellfortsätze, also die „Verbindungskabel”, zwischen Nervenzellen bleiben in dieser Technik unsichtbar. 


Die andere Bildhälfte verweist auf die Bodian-Färbung. Sie arbeitet mit einer Silberimprägnation, macht vor allem Neurofibrillen in Nervenfasern deutlich sichtbar und hat nur eine geringe Hintergrundfärbung.

Beide Färbemethoden zeigen also ganz unterschiedliche Dinge desselben Nervensystems. Das Gesamtbild entsteht erst im Kopf der Person, die durch das Mikroskop schaut: Sie sieht nacheinander den einen Schnitt und dann den anderen und setzt beide innerlich zu einem gemeinsamen Bild zusammen. 

So entsteht – was man dem einzelnen Präparat nicht ansehen kann – eine Konstruktion von Welt in einem inneren Denkraum zwischen diesen Bildwahrnehmungen, fast im wörtlichen Sinn. Dieser erste Bereich des Dazwischen liegt im Denken der Betrachtenden.

Für mich gibt es hier weitere Ebenen des In between. Ohne ins autobiografisch-fiktionale auszusteigen, muss ich an sie denken, immer wenn ich selbst diese Zeichnungen sehe.

Die Arbeit entstand in einer Zeit, in der ich viele Entscheidungen treffen musste: Medizin gegen Kunst, Forschung gegen Klinik, Deutschland gegen Schweiz, Labor gegen Labor und schließlich Botanik gegen Medizin, Flora gegen Fauna. Vieles war altersentsprechend und zugleich schwer und schwierig.

In dieser Spannung zwischen naturwissenschaftlicher Präzision und künstlerischer Erkundung sind die beiden Blätter entstanden. Sie markieren für mich ein singuläres Stück Terrain: zwischen Bild und Präparat, zwischen objektiver Struktur und innerer Konstruktion von Welt, zwischen etablierten Wegen, noch unentschiedenen Richtungen und biografischen Entscheidungen.

Im Zusammenhang meiner anderen Arbeiten erfüllen sie, worum es in „InBetween – dazwischen” geht: ein Einzelstück, das aus der eigenen Linie herausfällt, ein seitlicher Ausflug, der sich keiner Serie eindeutig zuordnen lässt – und gerade deshalb hier sein Thema gefunden hat und sichtbar wird.

Weitere ältere Arbeiten sind hier zu finden.

Das „Tectum“ („Dach“) ist eine Struktur des Mittelhirns und das primäre Sehzentrum der Vögel. Es entspricht bei Säugetieren den beiden oberen Hügeln („Sehhügel“, Colliculi Superiores) der Vierhügelplatte. Hier sind insbesondere optische Reflexe und schnelle Augenbewegungen lokalisiert.

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