# 84 Katharina Müller

(Atsumori)


Die fünfundvierzig Jahre alte angestellte Einzelhandelskauffrau eines Devotionaliengeschäftes in Kevelaer steht vor den Hochkreuzen auf der Kriegsgräberstätte Weeze. Sie wartet und schaut zum Eingang. Sie war sechzehn damals, und er einundzwanzig. Er hatte sie fast umgebracht. Heute treffen sie sich hier. Und klären das. Es heißt, sie (45) habe ihm (51) verziehen, weil er für sie bete. lebensdauer.werfer.einbinden

In Kevelaer nach dem Krieg

Madonna sitzt in Kevelaer und tröstet
die Bedrängten. Krippen, Kreuze, Kirchen,
Licht  von Wachs und Öl aus Paraffin
Musik mit Flöten, Trommeln und von Chören.
Kannon thront im blauen Mantel. 
Auf Monden tanzt sie in der Rheinbucht Weiten.

Das große Rad walzt weiter. Ringe treiben,
zermahlen Berge, schleifen Stein zu Staub.
Tuschen schlieren bis  // im letzten Strich //
sie dünn zu einer Farbe rinnen:
ein ganzes  Meer voll bunter Wässer // grau.
Licht strömt ein / in / nie gewählte Pfade.
Es kollabiert die Superposition.

Quallenlinsen angespült aus Licht,
das tiefblau zitterig sich birgt / es glänzt
Smaragd mit Gelb im schimmernden Kristall
mit Schalen, Muscheln auf dem hellen Sand.
Zehen graben, schieben, kneten,
Füße sinken. Wellen laufen und
Bernoulli schreibt so sanft in Sand.

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