(Atsumori)
Die fünfundvierzig Jahre alte angestellte Einzelhandelskauffrau eines Devotionaliengeschäftes in Kevelaer steht vor den Hochkreuzen auf der Kriegsgräberstätte Weeze. Sie wartet und schaut zum Eingang. Sie war sechzehn damals, und er einundzwanzig. Er hatte sie fast umgebracht. Heute treffen sie sich hier. Und klären das. Es heißt, sie (45) habe ihm (51) verziehen, weil er für sie bete. lebensdauer.werfer.einbinden
Chor: Es fließt und atmet die Erinnerung, schmerzt, heilt, geht.
Und sehet, ob ihr klar kommt mit dem Lieben.

In Kevelaer nach dem Krieg
Madonna sitzt in Kevelaer und tröstet
die Bedrängten. Krippen, Kreuze, Kirchen,
Licht von Wachs und Öl aus Paraffin
Musik mit Flöten, Trommeln und von Chören.
Kannon thront im blauen Mantel.
Auf Monden tanzt sie in der Rheinbucht Weiten.
Das große Rad walzt weiter. Ringe treiben,
zermahlen Berge, schleifen Stein zu Staub.
Tuschen schlieren bis // im letzten Strich //
sie dünn zu einer Farbe rinnen:
ein ganzes Meer voll bunter Wässer // grau.
Licht strömt ein / in / nie gewählte Pfade.
Es kollabiert die Superposition.
Quallenlinsen angespült aus Licht,
das tiefblau zitterig sich birgt / es glänzt
Smaragd mit Gelb im schimmernden Kristall
mit Schalen, Muscheln auf dem hellen Sand.
Zehen graben, schieben, kneten,
Füße sinken. Wellen laufen und
Bernoulli schreibt so sanft in Sand.
Es gibt zwei mir wichtige Echos neben dem Noh „Atsumori“.
Und sie könnten hier gehört werden….
Randy Newman: „In Germany Before the War“
Steve Reich: „Different Trains: After the War“ (Kronos Quartett)
